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Spiel Erntedankfest 92 – „Kurz nach der Wende“
1. Mann: Na du hast wohl nichts zu tun, daß du so viel Zeit hast, hier zu sitzen. 2. Mann: Na ja. Ich habe schon seit heute Morgen den Garten in Ordnung gebracht. Man kann ja nicht den ganzen Tag im Garten stecken. 1. Mann: Du hast es gut. Bei dir ist die Arbeit gemacht. Bei mir hängen die Bäume noch voll, das Gras wächst und meine Frau liegt mir in den Ohren, ich soll endlich was im Garten machen. Stattdessen hängt man über den Büchern. Manchmal denke ich, ich möchte mal arbeitslos sein.
2. Mann: Du siehst wohl nicht klar? 1. Mann: Am besten du nimmst meine Zwetschgen ab. Da kannst du sie auch gleich noch mitnehmen. Was soll man nur mit dem vielen Obst. Man kann ja alles kaufen. Frau: Laß sein. Wir haben dieses Jahr ohne Leiter gepflückt. 1. Mann: Wieso? Frau: Wir haben den Baum gefällt. Was will man mit dem vielen Obst machen. Der Konsum nimmt's ja nicht mehr. Und so viel Rahmkuchen kann man ja in zehn Jahren nicht backen. Wir haben dann unter gepflückt und einen Teil weggeworfen. 2. Mann: Es ist eigentlich schlimm, wenn man's wegwirft. 1. Mann: Wenn es nur runterfällt, dann ist es das gleiche. 2. Mann: Na ja, das ist es ja. Es lohnt sich schon nicht mehr ein Beet zu bepflanzen. Du kriegst alles das ganze Jahr über im Geschäft und da hast du keine Arbeit.
Frau: Aber laß sein. Wir hatten in
diesem Jahr Kartoffeln und Tomaten. Du glaubst nicht wie die geschmeckt haben.
Da können die Kartoffeln von überall her kommen.Die schmecken nicht . 2. Mann: Denen fehlt die Chemie. Ich frage mich ja schon lange,was wir eigentlich essen. Früher war die Wurst nach ein paar Tagen schlecht. Jetzt kannst du sie drei Wochen in die Sonne legen, da hat sie sich gerade mal verfärbt. Ich frage mich manchmal , ob das eigentlich noch Fleisch ist, was rein kommt.
Frau: Die Sorgen der Reichen! 2. Mann: Du hast gut Reden. Wenn man den ganzen Tag zu Hause sitzt, dann kann man nicht zufrieden sein. Frau: Seid mal ruhig. Guck dir den Friedrich an. Der ist im Vorruhestand, rennt aber mit Diplomatenkoffer und Krawatte rum. 1. Mann: Hallo Friedrich! Du scheinst als Rentner Kariere zu machen. Was hast du denn im Köfferchen. 2. Mann: Sicher einen Lotteriegewinn! 3. Mann: Seid mal ganz ruhig! Ich habe eine neue Arbeit gefunden. Um ein Haar wäre ich reich geworden. Frau: Hast wohl ein Geschäft aufgemacht! 3. Mann: Nein, wo denkst du hin. Vor längerer Zeit habe ich einmal in einer schlaflosen Nacht dran gedacht, daß meine Großeltern mehrere Äcker hatten. Da habe ich gedacht, vielleicht ist da ganz viel drin. Vielleicht hast du ein tolles Baugelände. 1. Mann: Und jetzt kannst du an einen großen Betrieb verkaufen. 3. Mann: Ja genau so habe ich das geträumt: reich über Nacht! Ein Hotel auf den Berg - und das Grundstück mir. 2. Mann: Wie sieht's aus?
3. Mann: Zuerst bin ich von Amt zu Amt
gelaufen und habe versucht die Dinge zu klären. Selbst dem Pfarrer bin ich schon
auf die Nerven gegangen. 2. Mann: Aber siehst du, du hast wenigstens was zu tun!
Frau: Das ist eben das merkwürdige. Es
ist heute alles anders. 1. Mann: Und dann kommt einer, der in unseren ehemaligen Bruderländern oder in Afrika wohnt und sagt: Ihr habt fast das Schlaraffenland - und er hat auch noch recht! |