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Zu DDR - Zeiten war es eine Seltenheit, dass die Kirmesgesellschaftt noch
in die Kirche kam. Nur in einigen kleinen Dörfern (wie Struth - Helmershof und
Schnellbach) kamen sie noch in die Kirche.
In Seligenthal haben wir die Kirmestradition 1984 (nach 12 jähriger Pause)
wieder eingeführt.
Vorher war der Kirmesgesellschaft streng verboten worden in die Kirche zu gehen.
Als die Kirmesgesellschaft (vom Sportverein organisiert) 1984 zum ersten Mal
wieder in die Kirche kam, gab es großen Ärger. Ein Jahr später mussten die
Kirmesburschen und Bräute beim Leberessen am Freitag unterschreiben, dass sie auf keinen Fall in die Kirche
kommen. Trotzdem kamen mehr als 80% der Burschen und Bräute privat, aber mit
angesteckter Rose zum Gottesdienst.
Noch am Wochenende haben wir zusammen mit dem Dekan und einigen CDU -
Mitgliedern versucht uns zu beschweren.
In der darauf folgenden Zeit haben wir den Fall bei jeder Gelegenheit öffentlich
angesprochen und konnten mit unserer Beschwerde bis nach Berlin vordringen.
Die Stasiaktion mit den Unterschriften wurde daraufhin fälschlicherweise einem
Seligenthaler Sportfunktionär in die Schuhe geschoben, der in Wirklichkeit den
Jugendlichen gar nicht abgeraten hatte, in die Kirche zu gehen. (Die Stasiakten
liegen mir vor)
1986 hatten wir dennoch viel Glück: Ein Kamerateam des hessischen Fernsehens
war in Schmalkalden. Einige Pfarrer waren bei der Vorbereitung der Dreharbeiten
mit eingeladen.
Da man ein besonderes kirchliches Ereignis suchte (möglichst mit einheimischen
Trachten), konnte ich vorschlagen, die Seligenthaler Kirmes, d.h. Gottesdienst
und Umzug, zu filmen. Das Fernsehen kam letztlich doch nicht. Vielleicht war das
in das in Hessen viel zu alltäglich.
Aber unsere Ortsparteileitung der SED, sowie die Stasi mussten mit dem
Fernsehen rechnen, und gaben auf einmal grünes Licht. Wir konnten seither
Kirmes unbehelligt feiern.
Der Kirmesgottesdienst ist bis heute einer der bestbesuchtesten
Gottesdienste im Jahr.
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