Der
kleine Schutzengel
- frei nach einer Geschichte eines unbekannten Autors, erfrischend fröhlich neu erzählt von Sylvia Ehrhoff

Mitspieler:
1 Erzähler, Erzengel Gabriel, Emanuel, große und kleine Engel, 1
Schaf, 1 Ochse, 1 Esel (ohne Text), Maria und Josef (letzterer ohne Text),
1Herold, Heiligen drei Könige, Hirten (ohne Text),
1 Sternenträger (ohne Text)
Zu Beginn des Stückes sausen die Engel um
die Kanzel herum, während Emanuel oben von der Kanzel dem bunten Treiben
zuschaut. Wolken aus Pappe mit Watte beklebt sind um die Kanzel drapiert.
Beim Taufbecken befindet sich der Stall. Gabriel und Emanuel agieren vor dem
Altar, wo ebenfalls die Szene mit dem Schaf stattfindet. Der Stern befindet
sich zunächst gegenüber des Altars und wandert dann zur Hauptbühne. Für den
Stall benötigen wir ein wenig Stroh, natürlich die Krippe, eine Puppe und
ein paar Felle zum Daraufsetzen. Für die Himmelsszene wäre eine
Lichterkette, die die Sterne symbolisieren soll, prima.
Erzähler:
„Gerade war es wieder soweit. Emanuel stand etwas abseits auf einer
Wolke und beobachtete aufmerksam die kleinen und großen Engel, wie sie dabei
waren, die Himmelsleiter hinab zu steigen. Gott hatte die Engel ausgesandt,
um die Neugeborenen auf der Erde willkommen zu heißen und sie zu beschützen.
Und das war aber auch ein Gewusel, ein Geschiebe und Gedränge, denn jeder
wollte als erster bei seinem Schützling sein.“
Gabriel (rollt ein wenig mit den Augen):
„Aber, aber! (seufzt, aber dennoch gütig) Geht das nicht auch
mit ein wenig mehr Disziplin?“
Erzähler:
„Es war immer wieder etwas besonderes, wenn ein Engel seine Flügel
bekam und mit den anderen Schutzengeln zur Erde reisen durfte. Voller Stolz
präsentierten deshalb die Neulinge ihre Flügel. So war der Himmel erfüllt
vom Schlagen kleiner Flügel und die hellen Stimmchen der Engelskinder
drangen klar an Emanuels Ohren. Im Chor sprachen sie ihre
Schutzengellosung:“
(Schellen erklingen – ganz zart.)
Engel gemeinsam: „Fünf Engel haben gesungen,
fünf Engel kamen gesprungen.
Der erste bläst das Feuer an,
der zweite stellt das Pfännerl dran.
Der dritte schütt't das Süppchen
rein,
der vierte tut brav Salz hinein.
Der fünfte sagt: s'ist angericht't.
Iß, mein Kindchen, brenn dich nicht!“
(Die Engelskinder spielen das richtig aus
und hüpfen dabei froh über die Bühne, während sie mit den Flügeln schlagen.)
Erzähler: „Es
war wunderschön anzusehen. Nur Emanuel war ganz und gar
nicht festlich zumute.“
(Die Engelchen verschwinden so langsam
alle hinter der Kanzel. Nur der Erzähler, Emanuel und Gabriel bleiben
zurück.)
Emanuel (seufzt):
„Ach, was würde ich dafür geben, wenn auch ich ein Schutzengel sein
dürfte! (traurig) Aber ich habe ja noch nicht einmal Flügel!“
Erzähler: „Schließlich konnte Emanuel auch
nicht ahnen, dass
ihm etwas ganz besonderes bevorstand. So war er zunächst
verwundert, als der Erzengel Gabriel gerade ihn zu sich rief.“
(Gabriel winkt den kleinen Engel zu sich
heran.)
Emanuel: „Uups, ich habe doch wohl nichts
angestellt? Hm! Alle Sterne habe ich heute früh erst ordentlich geputzt –
das kann es dann wohl nicht sein. Na, bin gespannt was Gabriel von mir
will.“
Gabriel: „Emanuel, ich warte!“
(Gabriel nimmt Emanuel an die Hand und
führt ihn Richtung Taufbecken.)
Erzähler: „Gabriel führte den kleinen Engel
in die himmlische
Kleiderkammer. Gemeinsam suchten sie nach einem passenden Gewand für
den Jungengel. Und – Emanuel konnte sein Glück kaum fassen – er bekam sogar
ein Paar kleiner Flügel.“
(Gabriel hilft dem Engelchen beim
Anziehen und steckt ihm seine Flügel fest.)
Gabriel: „So, mein Kleiner, jetzt bist auch
du ein Schutzengel!“
(Emanuel lächelt selig und macht einen
Luftsprung vor Freude. Aufgeregt fragt er:)
Emanuel: „Sag Gabriel und wohin schickst du
mich jetzt?“
(Gabriel zeigt Richtung
Gemeinschaftsraum. Dort wird für alle ein Stern mit langem Schweif
sichtbar.)
Gabriel: „Folge diesem Stern solange, bis er
stehen bleibt. Dort wird heute
Nacht ein neuer, großer König geboren! Er wird für alle Menschen der
König des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung sein!“
Erzähler: „Uups, damit hatte der kleine
Engel nun ganz und gar nicht gerechnet. Seine erster Einsatz als Schutzengel
und dann auch noch gleich ein König?! Zu allem Überfluß auch noch ein ganz
besonderer König für alle Menschen. Nein, also so hatte er sich das
Schutzengeldasein nun doch nicht vorgestellt.“
Emanuel (mit banger Stimme):
„Ähm, braucht ein großer König nicht auch einen großen Schutzengel?“
Gabriel (rückt ihm lächelnd den
Heiligenschein zurecht und lächelt):
„Nur keine Angst, mein Kleiner! Ein kleiner König und ein kleiner
Engel passen vorzüglich zusammen!“
(Emanuel geht zur Kanzel, dreht sich
nochmals nach Gabriel um und sagt:)
Emanuel: „Ich werde gut auf meinen König
aufpassen, das verspreche ich!“
(Gabriel lächelt und geht von der Bühne
in Richtung Sakristei ab. Alle Kinder kommen auf die Bühne und singen „Stern
über Bethlehem“ von Alfred Hans Zoller, während der Stern näher zur Kanzel
kommt.)
Alle Kinder singen:
„1. Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg,
Führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie steht;
Leuchte du uns voran, bis wir dort sind,
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind!
2. Stern über Bethlehem, bleib bei uns stehn.
Du sollst den steilen Pfad vor uns her gehen!
Führ uns zu Stall und zu Esel und Rind;
Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind!
3. Stern über Bethlehem, nun bleibst du stehn
Und läßt uns alle das Wunder hier sehn,
Das da geschehen, was niemand gedacht,
Stern über Bethlehem, in dieser Nacht!!“
(Alle bis auf Emanuel, Erzähler ab. Vor
dem Taufbecken lassen sich noch Maria, Josef, ein Schaf, ein Esel und ein
Ochse nieder.)
Erzähler: „Erstaunt blickte Emanuel sich auf
der Erde um. Er sah wie der Stern stehen blieb. Was das Zeug hielt rannte er
zu der Stelle und hatte dabei ganz vergessen, dass er jetzt ja Flügel hatte!
Doch was war das? Der Stern war über einem Stall stehen geblieben. Dort
konnte doch wohl kein König wohnen, oder?“
Emanuel (verunsichert): „Habe ich
mich etwa verlaufen? Oh, lieber Gott, mein erster Auftrag und ich renne dem
falschen Stern hinterher.“
(Emanuel fängt bitterlich an zu weinen
und setzt sich auf die Stufen vor dem Altar. Ein Schaf betritt die Bühne.)
„Was wird jetzt bloß aus dem kleinen König?“
(Das Schaf „ääht“ beim Sprechen die „a´s“ ein wenig.)
Schaf: „Määh! Warum bist du so traurig
kleiner Engel? Määh!“
Emanuel (schluchzt): „Ich habe mich
verlaufen!“
Schaf: „Verlaufen? Määh!“
(Emanuel nickt.)
Emanuel: „Irgendwo wird ein neuer König
geboren, und nun hat er keinen Schutzengel, weil ich dem falschen Stern
gefolgt bin!“
(Der kleine Engel schnäuzt sich
geräuschvoll in seinen Gewandsärmel.)
Schaf (aufgeregt):
„Im Stall wird auch ein Kind geboren! Aber es - määh - ist das Kind
sehr armer Leute. Sie kamen mit einem Esel aus einer fernen Stadt, määh,
määh.“
(Plötzlich hört man die Stimme des Ochsen
aus dem Stall.)
Ochse: „Muuh, es geht los. Das Kind kommt!“
(Maria legt eine Puppe in die Krippe. Aus
der Richtung des Taufbeckens erstrahlt plötzlich ein warmes Licht. Emanuel
streichelt das Schaf, steht auf und geht, während er sich suchend umblickt,
zum Stall. Das Schaf trottet hinter ihm her. Alle, die sich auf der Bühne
befinden, singen zusammen das nachfolgende Lied.)
Alle zusammen:

Emanuel:
„Das arme Kind. Kein Schutzengelchen weit und breit!“
Schaf: „Dann beschütze du doch das Kind!
Schließlich bist du ja ein Schutzengel! Arme Leute haben einen Engel
bestimmt viel nötiger als so ein reicher Königssohn! Määh!“
(Emanuel nickt. Liebevoll schaut er das
Neugeborene an und stellt sich hinter die Krippe, die Hände wie zum Segen
ausgebreitet.)
Erzähler: „Das Schaf hatte Recht! Und was
für ein hübscher kleiner Knabe
da in der Krippe lag! Von diesem Kind ging so viel Wärme aus!
Plötzlich unterbrach lautes Räderknirschen und Hufgetrampel die wohlige
Stille.“
(Auftritt eines Heroldes aus der
Sakristei.)
Herold: „Macht Platz für die Könige!“
Erzähler: „Drei Könige in kostbare Gewänder
gehüllt und mit goldenen Kronen auf ihren Häuptern betraten den Stall.“
(Auftritt
Könige aus Sakristei.)
Maria: „Wollt ihr zu uns?“
(Stolz hebt Maria ihren neugeborenen Sohn
hoch.)
Maria: „Seht her! Das ist mein Sohn! Das ist
der wahre Sohn Gottes, der uns zeigen wird, was wirklicher Friede auf Erden
heißt!“
Kasper
umarmt als Zeichen der Freude die Eltern samt Baby, während Melchior und
Balthasar sich vor dem Kind niederknien.)
Melchior: „Hier habe ich etwas Myrrhe für
dich, mein König!“
Balthasar: „Und ich bringe dir etwas Gold!“
(Hirten kommen auf die Bühne, verbeugen
sich vor dem Kind und knien nieder.)
Erzähler: „Auch die Hirten gaben dem Kind
alles, was sie hatten: Brot und
Käse, Früchte und Wein. Emanuel hatte alles ehrfurchtsvoll beobachtet
und kam zu dem Schluss, dass sein kleiner Schützling
schon etwas besonderes sein musste, wenn Könige wie Hirten gleichermaßen vor
ihm niederknieten.“
Emanuel (überglücklich): „Ich habe
mich doch nicht verlaufen! Und ich bin auch nicht dem falschen Stern
gefolgt. Wir feiern die Geburt des neuen großen Königs, des Königs des
Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Und ich, ja, ich (kurze Pause)
darf ihn (kurze Pause) beschützen!
F R O H E W E I H N A C
H T E N!“
(Alle singen zusammen mit den
Kirchenbesuchern die 4. und letzte Strophe des Liedes „Stern über
Bethlehem“.)
Alle:
„4. Stern über Bethlehem, wir sind am Ziel,
Denn dieser arme Stall bringt doch so viel!
Du hast uns hergeführt, wir danken dir.
Stern über Bethlehem, wir bleiben hier!“
E N D E